Am Wochenende war ich das erste Mal alleine gezielt mit der Fliegenrute auf Hecht unterwegs.
Den Großteil des Vormittags hatte ich zunächst klassisch mit der Bigbait-Rute gefischt. Sowohl schleppend als auch werfend habe ich versucht, einen Hecht zum Biss zu verleiten. Leider blieb es bei einem einzigen Fehlbiss, sodass ich mich gegen Mittag dazu entschied, die Fliegenrute auszupacken, die ich vorsorglich mit ins Boot genommen hatte.
Der Start war allerdings etwas chaotisch. Den Gürtel meines ECOastel-Linebaskets habe ich bei einem Umzug irgendwann verschlampt. Also stand der Korb einfach lose im Boot, und ich habe die Schnur direkt ins Boot gestrippt. Dabei ist mir aufgefallen, wie unfassbar nervig Klampen beim Fliegenfischen sein können. Gefühlt hat sich die Schnur bei jedem zweiten Wurf irgendwo verhakt.
Trotzdem habe ich eine kleine Bucht angefahren und systematisch ausgefischt. Das Ufer fiel dort recht steil ab, mein Boot lag etwa 20 Meter vom Ufer entfernt. Gleichzeitig sammelte ich meine ersten richtigen Wurferfahrungen mit meiner Big Daddy TI, die ich vor einigen Jahren im Sale bei Söder Sportfiske für einen unverschämt günstigen Preis gekauft hatte und seit dem praktisch nicht angefasst hatte.
Als Fliege kam ein selbst gebundener Streamer zum Einsatz, den mir ein guter Freund geschenkt hatte, der deutlich mehr Erfahrung im Hechtfliegenfischen hat als ich.
Während ich ehrlich gesagt noch mehr mit mir selbst, der Schnur und dem ganzen Handling beschäftigt war als mit dem eigentlichen Fischen, kam dann plötzlich der Einschlag: Ein Hecht hatte sich den Streamer geschnappt.
Der Fisch war ungefähr 65 Zentimeter lang – gemessen habe ich ihn nicht. Auf dem Foto, das ich anhänge, ist er zu sehen.
Für mich war das ein wirklich besonderes Erlebnis. Nicht nur, weil es mein erster selbstständig gefangener Hecht auf die Fliege war, sondern auch wegen des Drills. Den Kontakt zum Fisch direkt über die Schnur in der Hand zu spüren, ist einfach etwas völlig anderes als beim Spinnfischen und hat mich sofort begeistert.
Besonders gefällt mir an dieser Fischerei ihre Individualität. Statt ständig neue Köder zu kaufen, greife ich lieber zu Unikaten mit persönlichem Bezug – wie dieser von einem Freund gebundenen Fliege oder einem selbst gebauten Jerkbait. Solche Köder haben für mich einen besonderen Wert und machen einen wesentlichen Teil des Reizes aus, den das Angeln heute für mich hat.
Gefischt habe ich mit einer Intermediate-Schnur. Dabei habe ich allerdings schon gemerkt, dass ich in vielen Situationen gerne noch etwas tiefer fischen würde. Eine Sink-4-Schnur steht deshalb schon auf der Einkaufsliste.
Mir hat dieser erste Erfolg und das gesamte Erlebnis so gut gefallen, dass damit wohl mein dauerhafter Einstieg in das Hechtfischen mit der Fliegenrute besiegelt ist. Auch wenn bei Timing, Doppelzug, Schultermuskulatur usw. noch reichlich Luft nach oben besteht, hat mich diese Art zu fischen sofort gepackt. Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächsten Ausflüge und darauf, weitere Erfahrungen am Wasser zu sammeln.