Zurück an den Bach
Der Bach hatte sich für etwa anderthalb Monate zur Ruhe gelegt, bedingt durch die hohen Temperaturen. Nach der ersten Hitzewelle kam dann eine Woche, in der es erträglicher wurde und die Wassertemperatur zwischen 12° und 15° lag. Also machte ich mich wieder auf den Weg zum Bach. Zwei Mal, und beide Male passierte etwas Unerwartetes, etwas leicht Wunderliches.
Zwölf Komma Drei Grad
Wie gewohnt ging es zunächst mit dem Fahrrad los. Nach etwa drei Stunden Fahrt konnte ich den Bach wortwörtlich nicht mehr sehen – nur hören. Die Brombeeren hatten jeden Zugang versperrt. Ich machte mir erst einen Weg frei, ging zurück zum Fahrrad und zog die Wathose an. Im Wasser angekommen, erfüllte mich das Glücksgefühl, das ich nur watend erleben kann. Für mich gibt es kaum etwas Schöneres. Ein Eisvogel, der im Tiefflug vorbeischoss, machte das Ganze fast kitschig – so schön war es.
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Die gewohnte Frühstückspause.
Wie immer wurde zuerst die Wassertemperatur gemessen: 12,3°C. Dann ging es los, mit nur einem einzelnen Twitchbait. Drei weitere Köder hatte ich als Backup dabei, kamen an beiden Angeltagen aber nicht zum Einsatz. Die Fische waren aktiv. Es war einer dieser Tage, an denen alles Erwartete auch eintraf. Kam ich an einen Spot, an dem ich Fische vermutete, wurde ich bestätigt. Selten, wenn überhaupt, blieb der Biss aus. Hauptsächlich Bachforellen, wunderschön gezeichnet. Stellenweise stritten sich sogar kleine Bachforellen regelrecht um den Köder. Ein unglaublicher Tag.
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Der englische Name Brown Trout passt ganz gut wie ich finde. Man merke sich bitte den Käscher, der kommt später wieder vor.
Ein Fisch ohne Namen
Kurz vor Ende des ersten Tages kam ein eigenartiger Biss. Sehr latent. Etwas hing am Haken, aber ich ging davon aus, es sei ein Ast – nur dieser passive Widerstand. Der Ast war am Ende doch ein Fisch, aber ein eigenartiger. Eine Regenbogenforelle? Die springen normalerweise regelrecht aus dem Wasser, und bis zu diesem Punkt hätte sie das längst mehrfach getan. Eine Bachforelle war es auch nicht – die werden hier ihrem englischen Namen "Browntrout" durchaus gerecht. Dieser Fisch war hell, lang und dünn. Es waren nur ein paar Sekunden, aber ich könnte jetzt minutenlang darüber schreiben, was mir in diesem Moment durch den Kopf ging. Ich unterbrach meine Gedanken, legte den Käscher hinter den Fisch, und die Strömung erledigte den Rest.
Das Wundern ging weiter, auch nachdem der Fisch im Käscher war. Der Haken war schon draußen, ich nahm ihn in die Hand. Er machte keine Anstalten wegzuschwimmen. Lang und dünn, mit einem Phänotyp, den ich so noch nie gesehen hatte – er erinnerte mich ein wenig an Seeforellen aus einem See in Bosnien, aber doch anders. Ich machte ein Foto und setzte ihn dann in einem strömungsarmen Bereich wieder ins Wasser. Er schwamm davon.
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Eine wunderliche Begegnung. Wer kennt diesen Fisch?
Später schickte ich das Foto an meine Anglerfreunde und an den Gewässerwart: Wurde so etwas besetzt? Als Antwort bekam ich ein Smiley und die Bitte, keine KI-generierten Fotos zu schicken. Dann wunderte auch er sich, nachdem ich ihm versichert hatte, dass es ein echtes Foto war. Er fragte weiter nach – eine Erklärung bekam er bis heute nicht.
Neun Minuten
Ein paar Tage später ging es wieder aufs Fahrrad. Diesmal hatten die Brombeeren den Weg nicht zurückerobert, ich konnte direkt in die Wathose und ins Wasser. Wassertemperatur: 13,2°C. Der Eisvogel ließ sich nicht blicken, und für eine gute halbe Stunde auch die Fische nicht. Stellen, die nach aller Erfahrung liefern sollten, boten diesmal keine Aktion. Dann endlich ein Fisch, und gleich noch einer. Danach wurde es für eine weitere halbe Stunde nur ein Spaziergang gegen die Strömung.
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Die typisch gezeichnete Forelle in ihrem Bach.
Ich erreichte eine kleine Kaskade. Unterhalb wieder das Gleiche: nichts. Am Köder konnte es nicht liegen, ich wollte ihn nicht wechseln. Ich stieg ein Stück auf und sah vor mir einen ruhigen Bereich vor der Kaskade, links und rechts Wurzeln im Wasser – der Unterstand, den Fische so oft suchen. Ich warf mittig aus und konnte gut beobachten, wie eine kleine Bachforelle wie ein Torpedo aus den Wurzeln auf den Köder zuschoss und ihn nahm. Nächster Wurf, wieder mittig. Diesmal bewegte sich auf der anderen Seite etwas – zunächst langsam, dann schneller. Ein Torpedo? Nein, das war ein U-Boot.
In den folgenden neun Minuten hatte ich Zeit, über einiges nachzudenken. Zum Beispiel an meinen ersten Angeltag an diesem Bach, als ich einen Fisch hakte, der von der Größe her locker ein mittlerer Huchen oder Lachs hätte sein können – ich verlor ihn. Die GoPro-Aufnahme schickte ich damals in die WhatsApp-Gruppe, die Schätzungen lagen zwischen 60 und 80 cm. Etwa einen Monat später dann die nächste Begegnung mit einem Fisch, den man in so einem kleinen Bach eigentlich nicht erwartet: Es dauerte etwa vier Minuten, bis er im Käscher landete – 63 cm, Regenbogenforelle.
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Die Forelle müsste Euch bekannt vorkommen, die habe ich vor 1-2 Monaten hier gepostet. Der gleiche Käscher wie vor ein paar Fotos, bitte weiter in Erinnerung behalten.
Während ich das alles Revue passieren ließ, holte mich die Bremse zurück in die Gegenwart. Meine 1,42 m lange Tenryu Integral war am Limit. Die Bremse hatte ich so eingestellt, dass der Fisch so viel Schnur nehmen konnte, wie nötig – und es war sehr viel nötig. Endlich konnte ich Schnur einholen, aber nur, weil der Fisch mir entgegenschwamm.
Bis zu diesem Punkt hatte ich vor Aufregung viel geredet, danach kein einziges Wort mehr bis zum Ende. Erst nach dem etwas lächerlichen ersten Versuch, ihn zu käschern, wurde mir klar, dass das ein Ausnahmefisch war. Den Käscher hängte ich sofort wieder ein und benutzte ihn nicht mehr. Für die nächsten Minuten ging es hin und her, der Fisch machte, was er wollte. Beim fünften Versuch, ihn am Schwanz zu packen, explodierte er förmlich – er war noch nicht so weit. Ich sah, dass er nur sehr knapp gehakt war: kein Widerhaken, 8er-Haken. Das Vorfach hatte ich kurz zuvor gewechselt, weil das FC beschädigt war – das beruhigte mich zumindest ein wenig.
Mit der Zeit holte der Fisch weniger Schnur, und vor allem langsamer. Nach etwa neun Minuten kam er mir wieder entgegen, und ich merkte, dass ihm die Kraft ausging. Das war meine Gelegenheit: Rute in die linke Hand, mit der rechten packte ich ihn an der Flosse, mit der anderen dann den Rest des Fisches – und er war aus dem Wasser. Ein großer Fisch. Auf der Aufnahme höre ich später, wie ich immer wieder das F-Wort sage. Ich war in einer Art Schock.
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Das U-Boot und der Käscher. Gerne vergleichen mit der ersten Bachforelle und Regenbogenforelle in diesem Post.
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Vor etwa einem Jahr war ich über diese Zahl sehr erfreut. Nur war das ein Zander damals.
83 cm, Regenbogenforelle. In den Breitengraden, in denen ich unterwegs bin, mit Sicherheit ein Ausnahmefisch. Ob ich noch einmal so einen zu sehen bekomme, ist unwahrscheinlich. Seitdem ruht der Bach wieder. Wir sehen uns erst im September wieder. Tight Lines.