Grundsätzlich haben Barschartige zum Luftdruckausgleich zwei Möglichkeiten. Einmal könne sie, wie alle anderen Fische, über die Schwimmblase das enthaltene Gas in das Blut diffundieren, das später über die Kiemen wieder abgegeben werden. Dies ist der langsame Weg. Wird unterhalb beschrieben.
Oder, wenn sie als Brütling die Möglichkeit hatten an der lipidfreien (Lipidschicht/Dreckschicht auf Wasseroberfläche) Wasseroberfläche nach Luft zu schnappen, sie nutzen dafür den
ductus pneumaticus, den sie durch das erstmalige Luftschnappen quasi öffnen
. Das ist eine Verbindung zwischen Luftblase und Magen, die den Druckausgleich ermöglicht sofern sie im Brütlingstadium erfolgreich geöffnet wurde, ist nicht die Regel in der Natur. Der Druckausgleich über den Ductus ist wie Rülpsen um es verständlicher zu machen. Dieses
ductus muss aber eben im Fingerling-Stadium durch Luftschlucken geöffnet werden.
Wenn das in der Kinderstube also alles so lief, wie es sollte, erfolgt der Druckausgleich über den offenen D.P. / Rülpsen
innerhalb weniger Minuten. Und das weiß ich nicht nur von Berufswegen, das ist auch wissenschaftlich belegt und für jeden nachlesbar.
https://academic.oup.com/icb/article/59/1/10/5298734
In der Natur (und der Aquakultur) kommt es aber durchaus vor, dass dieser
Ductus nicht geöffnet werden kann. Wenn Oberflächenfilm aus Staub und Fett (Lipidschicht) zu hohe Spannung erzeugt und das Fischchen keine Luft schlucken kann. Dann geht Druckausgleich später nur über das
Rete Mirabile ("Wundernetz"), ein Netz aus Äderchen das teilweise auf der Schwimmblase liegt. Das Gas in der Schwimmblase diffundiert (über CO2 in Schwimmblase, pH Wert Senkung, -> Root Effekt) dann ins Blut und wird über die Kiemen abgegeben. Und dieser Prozess dauert maximal ein paar Tage (3). Aber niemals mehrere Wochen. So lange hat kein Fisch Zeit sich an neue Gegebenheiten wie Luftdruckänderung, Temperaturänderung oder Nahrungssuche anzupassen.
Zusatzinfo: In der Natur kommt es sehr häufig vor, dass der DP nicht durchstoßen wird und die Barsche und Zander ihren Druckausgleich über Rete Mirabile und Kiemen machen müssen.
Sorry für das Fachgesimpel aber bei fachlichen Falschaussagen (und "ausgiebige Untersuchungen" habe ich trotz aller Mühe nicht gefunden) fühl ich mich zur Korrektur einfach getriggert.
Ich schließe mich übrigens der Vermutung an, dass die Fische wahrscheinlich aus dem Tiefen kamen und dort noch nicht so lange am Verweilen waren oder durchgeschwommen sind. Anders kann ich es mir auch nicht erklären.
Zum Anstechen von Schwimmblasen. Ein Arbeitskollege hat in der Vergangenheit mal ne Grouper Reproduktion in Indo aufgebaut. Dazu haben sie mit der Angel die 20 kg Elterntiere am Riff in 40 m Tiefe gefangen. Als sie oben waren mit ner Kanüle die Schwimmblase angestochen und ausgegast. Mit diesen Elterntieren haben sie danach jahrelang gezüchtet. Empfehlen würde ich sowas nicht, wenn man von Fischanatomie keine Ahnung hat. Ich hab sie, lass es aber trotzdem bleiben, weil ne Schwimmblase bei nem 20 kg Grouper nicht mit der eines 1,8 kg Barsches zu vergleichen ist und man sowas auch nicht zum Spaß einfach mal macht