Ein schwedischer Sommernachtstraum

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Mr.Lu

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Vorbereitung:
Wie sollte es auch anders sein, beginnt unsere Reise hier im Barsch Alarm Forum. Bei einer morgendlichen Kaffee- und Lesestunde, mit der meine Freundin und ich jeden Tag starten, war ich mal wieder auf dem Barsch Alarm unterwegs. Schon lange träume ich von Schweden und der Idee, dort unberührte Gewässer zu beangeln. Und so stieß ich beim Schmökern in den Reiseberichten schnell auf die Beiträge von @UpNorth und @Waterfall. Was für geniale Berichte! Ich war sofort fasziniert erzählte meinem Angelbuddy Lion davon. Er war auch direkt begeistert. „Ja man, lass sowas machen!“ Und so stand die Idee unserer ersten Schwedenreise.

Nun galt es noch zu entscheiden, welchen Rahmen das Ganze haben sollte und mit welcher Mannschaft wir das Ganze angehen wollten. Die Truppe war schnell gefunden, und so fanden sich vier völlig gehypte Jungs an einem Tisch wieder, steckten die Köpfe zusammen und gingen in die Planung. Am Ende stand der Plan, mit zwei Kanus eine Woche den Vindelälven im Norden Schwedens zu befahren, zu zelten und viel zu angeln. Gebucht haben wir unseren Trip über ArticMountain. Dies beinhaltete den Flughafentransfer, den Transfer zum Einstiegs- und Ausstiegsort am Fluss, den Verleih zweier Kanus und wasserdichter Säcke sowie die Übernachtung in deren Gästehaus am ersten und letzten Tag.

Am 26.07.2025 ging es los. Mit dem Flieger zu dritt erstmal von München nach Stockholm. Dort 40 Minuten Umsteigezeit und dann weiter mit SAS nach Lulea. Wie kurz 40 Minuten Umsteigezeit wirklich sind, und dass auch das Sperrgepäck mit Zelten und Angelgerät nicht in Stockholm stehen bleibt, wurde uns erst vor Ort so richtig bewusst. Nach vielen bangen Minuten und Blicken aufs Handy, um den Airtag zu beobachten, ging dann doch alles gut, und wir kamen ohne Gepäckverlust in Lulea an. Dort sammelte uns unser vierter Mitabenteurer Felix ein, der vorher schon eine Woche Finnland-Sightseeing genossen hatte. Dann ging es mit einem Guide von ArticMountain nach Älvsbyn, in deren Gästehaus. Den ersten Nachmittag verbrachten wir mit Proviantshopping, alles wasserdicht umpacken und Tackle vorbereiten. Einige der anderen Gäste im Guesthouse machten große Augen über die riesige Auswahl an Angelruten, die wir dabeihatten. Wenn die wüssten, welche karge Auswahl uns in unseren Augen nur zur Verfügung stand! Natürlich war der Großteil aus Platzgründen zuhause geblieben.

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Tackle Vorbereitung am ersten Abend

Die Tackle Entscheidung für den Trip war für mich schon eine kleine Herausforderung. Normalerweise bin ich mit dem Auto bzw. Boot im Angelurlaub und kann meinen Ruten-Wahnsinn voll ausleben. Da wir nun aber per Flieger anreisen mussten, waren einteilige Ruten schon mal aus dem Rennen. Am Ende hatte jeder eine L-Spinning dabei, eine ML-Rute und eine MH bzw. H-Rute. Shimano Expride war hier die dominierende Rutenserie aber auch eine Megabass Levante Reiserute leistete ausgezeichnete Dienste. Während unserer Tackle-Session kamen wir mit anderen Gästen ins Gespräch, die berichteten, sie hätten auf ihren Wanderungen nichts gefangen und es wäre generell einfach zu heiß. Zugegeben, dieses Jahr war es in Schweden wirklich brutal warm, und die Gewässer hatten alle Niedrigwasser. Nach solchen Hiobsbotschaften waren wir natürlich angespannt und ein wenig Pessimismus machte sich breit. Naja, wir hatten ja eine Woche in fast unberührten Gewässern. Irgendwas sollte da doch schon gehen. Am Abend ging es dann noch eine Pizza essen. Ganz ehrlich, es war die schlechteste Pizza, die ich je gegessen habe.

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Es kann losgehen

Tag 1
Am nächsten Morgen hieß es um 5 Uhr aufstehen. Nach einem schnellen Kaffee wurden wir gegen 6 Uhr im Guesthouse abgeholt. Nun ging es ca. 3 Stunden Richtung Berge. Gegen 9 Uhr erreichten wir unseren eigentlich geplanten Einstiegspunkt am Vindelälven. Aufgrund des Niedrigwassers war an dieser Stelle aber kein Einstieg möglich. Nach kurzer Google-Maps-Studie war aber schnell eine Alternative ausgemacht, und eine Viertelstunde später lagen die Kanus gepackt und abfahrtbereit am Flussufer. Noch ein schnelles Teamfoto geschossen, und dann konnte unser kleines Abenteuer starten.

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DIe Crew

Nach wenigen Paddelschlägen waren wir direkt von der atemberaubenden Landschaft geflasht Absolute Ruhe, abgesehen von Paddelschlägen und dazu kreisende Seeadler über uns. Traumhaft. Der Vindelälven ist generell ein sehr breiter ruhiger Fluss und hat kaum Strömungsgeschwindigkeit. Sich treiben zu lassen war nur in den Stromschnellen und engeren Passagen möglich. Der Plan war, in den kommenden 7 Tagen ca. 80 km flussabwärts zu fahren und dann wieder an einem vorher vereinbarten Treffpunkt abgeholt zu werden.

Wir hatten erst einige hundert Meter hinter uns gebracht, da wurden schon die Angeln ausgeworfen. Das Ufer sah einfach zu verlockend aus. Wir waren richtig heiß! Da wir auch verpflegungstechnisch jeden Tag Fisch fest eingeplant hatten und die Berichte der anderen Touristen ja nichts Gutes hatten verheißen lassen, hatten wir keine Zeit zu verlieren. Die ersten Spinner und Jigspinner flogen schnell Richtung Uferkante, und was soll ich sagen, es biss sofort. Eine derartige Fischerei hatten wir vorher noch nie erlebt. Es hagelte Bisse! Hechte, Barsche und Äschen wechselten sich regelmäßig mit kurzen Besuchen im Kanu ab. Wir hatten noch keine halbe Stunde geangelt, da stieg auch schon ein richtig guter Fisch ein. Bei Barsch angeln an der leichten L-Spinning schnappte sich ein dicker Hecht Lions Barsch und hakte sich selbst am kleinen Spinner. Am feinen Gerät gestaltete sich der Drill spannend, doch nach ca. 10 Minuten Kampf und etlichen langen Fluchten, lagen 110 schwedische Zentimeter im Kescher. Was für ein Auftakt und ein Fisch, der die Messlatte für den restlichen Urlaub ganz schön hochgesteckte.

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Gleich den schwedischen Meter geknackt

So fuhren wir angelnd von Krautfeld zu Krautfeld und kamen aus dem Drillen gar nicht mehr heraus. Die Barsche waren wirklich gut drauf und bissen auf alles, was ihnen vor das Maul kam. Natürlich wurden sofort auch Topwater-Köder ins Rennen geschickt und die Stickbaits und Popper wurden sofort. Wir finden etliche Barsche bis 39cm, einen vermeintlich noch Dickeren hab ich unter dem Boot verloren.

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Knapp an der 40 vorbei

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Auf dem anderen Kanu knallts auch ;)

Nach mehreren Stunden auf dem Wasser, vielen schönen Drills und guten Fischen, hieß es dann erstmal Pause machen. Eigentlich haben wir jeden Tag quasi eine Mittagspause eingelegt, am Ufer gekocht und noch mindestens einen Riegel verzehrt. Während das Wasser für die Nudeln warm wurde, wurden natürlich auch wieder Würfe gemacht. Auch am flachen Kiesstrand bissen die Äschen und Barsch zuverlässig.

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Die Angelsucht kickt auch während den Pausen

Am späteren Nachmittag erreichten wir eine Kiesbank an einem kleinen Flusslauf. Die Kiesbank hatten wir bei Google Maps als potenziellen Übernachtungsspot ausgemacht. Vor der Kiesbank lag noch ein großes Krautfeld das dringend noch befischt werden musste. Auch hier waren die Ruten direkt wieder krumm, viele schöne Barsche konnten gelandet werden. Bei mir nahm nach einigen mittleren Barschen ein besserer Fisch den 3inch EasyShiner und lieferte an der Megabass Levante ML einen feinen Drill. Mit 95cm verfehlte er zwar knapp die Metermarke, war aber an Kampfstärke einem deutschen Meterhecht mehr als ebenbürtig. Die Kampfkraft der schwedischen Hechte hat uns gleich am ersten Tag echt beeindruckt.

Während wir so vor uns hin angelten, zog der Himmel leider immer weiter zu und ließ nichts Gutes verheißen. So ging es schnell an Land, Zelte aufbauen und einen Shelter bauen. Da die Ufer bzw. die Böden auf der ersten Hälfte der Strecke sehr steinig war, mussten wir häufig erst den Boden von größeren Brocken befreien, um überhaupt die Zelte aufstellen zu können. Bei einsetzendem Regen hatten wir schnell den Lagerplatz freigeräumt und begannen mit dem Zeltaufbau. Naja, es gibt bessere Momente, ein Zelt zum ersten Mal aufzubauen. Nach 30 Minuten und gemeinsamem Anpacken standen dann beide Zelte. Währenddessen hatte es uns schon gut eingeregnet. Um vernünftig kochen zu können und generell das übrige Equipment halbwegs trocken zu lagern, hieß es nun, einen Unterstand zu bauen. Auch dieser stand nach kurzer Zeit, und wir kauerten uns zu viert darunter. Das erste schwedische Bier wurde geöffnet, und wir „genossen“ einen echten schwedischen Empfang bei strömendem Regen.

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Das erste Camp steht

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Beste Stimmung :)

Das erste Abendessen in der schwedischen Wildnis bestand aus Kartoffelbrei und frischem Barschfilet in Panko. Unglaublich, wie gut so einfache Gerichte draußen am Wasser schmecken. Nach einem kleinen Schlückchen Botocal bzw. Diplomatico, den wir im Duty-Free ergattert hatten, ging es dann durchnässt, aber bestens genährt, in die Koje.
 

Garrincha

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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Schöner Bericht bisher und tolle Fänge!
Der Vindelälven ist vor allem auch deswegen sehr beliebt, weil er für nordische Verhältnisse eine gute und schnelle Infrastruktur aufweist und stets zivilisationsnah ist. Durch die fast durchgehende Begleitung der Straße 363 kann man einen Trip auch gut selbst organisieren.
Allerdings handelt es sich nicht durchgehend um ein so zahmes Gewässer wie oben beschrieben. Im Oberlauf und zur Schneeschmelze wird es wild. Ich habe 2006 im Oberlauf mal eine kapitale Ammarnäs-Forelle fangen können. Die Seen der Umgebung enthalten auch Saiblinge!
 

Mr.Lu

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Tag 2
Nach einer durchregneten Nacht war ich am zweiten Tag als Erster auf den Beinen. An die nicht vorhandene Dunkelheit gewöhnt man sich schnell. Ein Buff zum Schlafen über die Augen gezogen, dann war Schlafen kein Problem. Noch leicht verpennt habe ich die Regenpause direkt genutzt, um das Wasser auf seine Badetauglichkeit zu testen. War sehr erfrischend. Unsere Morgenroutine und unser Frühstück waren immer sehr ähnlich. Nach einem gemeinsamen Kaffee gab es eigentlich immer Müsli mit Trockenfrüchten und Vollmilchpulver oder Porridge aus der Tüte. Gut gestärkt wurde dann das Camp abgebaut und die Kanus wieder beladen.

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Der erste Morgen in der Wildnis

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Unser Frühstücks-Klassiker

Am zweiten Tag hatten wir leider besonders viel Gegenwind. Generell hatten wir das Pech, eine komplette Woche Gegenwind zu haben, was ohne Strömung ganz schön Arbeit war. Am Vormittag wollten wir richtig Strecke machen. Der Barschspot des vorherigen Abends lag aber direkt vor der Tür, und es war natürlich zu verlockend, hier keinen Wurf zu machen. Nach einigen Würfen und Barschen später konnten wir uns dann aber doch losreißen und fuhren weiter flussabwärts. Das Wetter klarte immer weiter auf, und wir kamen trotz Gegenwind gut voran. In einer kleinen malerischen Bucht mit Sandstrand legten wir dann gegen Mittag an, um Pause zu machen, etwas zu snacken und auch zu angeln. Während Felix Feuer machte und sich um das Wasserkochen kümmerte, warfen die anderen natürlich die Angel aus. Es bissen direkt wieder Äschen und auch mehrere Hechte. Nachdem der Angelhunger fürs Erste gestillt war, gab es noch eine schnelle YumYumsuppe und getoastetes Fladenbrot mit Salami. Fertiggerichte waren zwar nicht als feste Mahlzeiten eingeplant, aber sie waren immer wieder der Gamechanger, wenn es mal schnell gehen musste.

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Traumhafter Spot für die Mittagspause

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Der Feuerteufel bei der Arbeit

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Schwedische Äschen lieben Blech

Gegen 18 Uhr erreichten wir die Gegend, die wir als heutiges Ziel anvisiert hatten und begannen hier auch wieder zu angeln. Das Ufer ist hier von großen Felsblöcken geprägt, die sich bis in den Fluss hinausziehen. An den Abbruchkanten dieser Felsformationen und den vorgelagerten Plateaus erlebten wir in kurzer Zeit eine super Hechtfischerei – fast jeder Wurf brachte Kontakt. Lenny konnte seinen PB auf 75 cm hochschrauben, leider klaute der Hecht seinen Illex Chubby. Über den flachen Steinplateaus bissen auch wieder einige Barsche auf Topwater Baits.

Auf der Suche nach einem potenziellen Schlafplatz fuhren wir etliche Stellen ab. Das Bild war immer dasselbe: Am Ufer große Felsformationen, dahinter Sumpf und Binsen. Eine auf Google Maps erspähte Flussmündung entpuppte sich ebenfalls als sumpfige Katastrophe. So suchten wir das Ufer ca. 5 Stunden weiter ab und machten dabei an diesem Tag fast 20 km Strecke. Mit 5-6 Bft Gegenwind war dieser Tag körperlich auf jeden Fall die anspruchsvollste Etappe unserer Tour. Diesen Tag haben wir bis zum Ende der Tour im Nacken gespürt. Gegen Abend flaute der Wind dann endlich ab, und wir genossen das Paddeln bei spiegelglattem Wasser und der spätabendlichen Kulisse.

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Auf der verzweifelten Suche nach einem Schlafplatz ;)

Nach etlichen Nieten bezüglich brauchbarer Zeltplätze fanden wir dann gegen 22 Uhr doch noch einen schmalen Kiesstreifen auf einer kleinen Insel mitten im Fluss. Nach landschaftsgärtnerischen Maßnahmen waren dann genug Steine zur Seite geschafft, sodass auch beide Zelte, zwar in leichter Schräglage, Platz hatten.

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Wann hat man schon mal eine Insel für sich allein :)

Nach erfolgreichem Campbau wurden dann noch 1,5 kg Nudeln mit Pesto vernichtet, und wir gönnten uns ein Feierabendbier. Eigentlich hatten wir uns pro Kopf zwei Bier pro Tag für die Tour eingeplant, aber häufig blieb es aufgrund der Erschöpfung bei einer Dose.

Mittlerweile war es schon Mitternacht, aber da es natürlich immer noch hell war, musste nochmal geangelt werden. Ohne ein paar letzte Würfe war an Schlafen noch nicht zu denken. Und so fingen wir noch einige Barsche vom Ufer und integrierten am Ende das Zähneputzen auch noch in die Angelsession.

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Der "späteste Fische" der Tour (0:55)
 

Mr.Lu

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Tag 3
Anmerkung: Manche von uns hatten mit den Mücken mehr zu kämpfen, andere weniger. Gerade Lion ist ein richtiger Mückenmagnet. So wurde der morgendliche Toilettengang, sofern er in Hörweite stattfand, meistens zu einer unterhaltsamen Einlage mit Flüchen und wüsten Beschimpfungen. Denn sobald man den Wald betrat, wurde jeder von einer Horde blutdurstiger Vampire empfangen, die nur darauf warteten, sich auf ein knackiges, entblößtes Hinterteil zu stürzen. Da half auch kein Antibrumm Forte mehr.

Am dritten Tag war wieder richtig fieses Wetter angekündigt. Da wir am Vortag ordentlich Strecke gemacht hatten, entschieden wir uns dafür, den Platz für eine weitere Nacht zu halten. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Müsli, Trockenfrüchten, Mango und Kokosflocken wurde das Camp erstmal wetterfest gemacht. Wir errichteten wieder ein stabiles Shelter, was sich als Herausforderung herausstellte, da auf der winzigen Insel kaum brauchbare Holzstämme zu finden waren. Am Ende hatten wir dann doch sieben Stämme zusammen, und unser kleines Wohnzimmer nahm Gestalt an.

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Shelter und Camp sind wetterfest gemacht

Dann ging es endlich wieder ans Angeln. Wir erkundeten zuerst das Ufer unserer Insel und fanden hier schon einige Barsche. Neben unserer Insel lag noch eine zweite, an deren Ufern sich Unmengen an Barschen herumtrieben. Wir erlebten mal wieder eine fantastische Barschangelei mit Fischen bis 43 cm. Im anderen Kanu ging dazu noch die erste Forelle des Trips an den Haken. Nachdem wir noch einige Barsche für das Abendessen „eingetütet“ hatten, ging es dann gegen 16 Uhr zum Mittagsessen zurück. Generell haben wir uns auf dem Trip nicht nach Uhrzeiten orientiert, sondern eher in den Tag hinein gelebt. So haben sich die typischen Zeiten für Mahlzeiten oft nach hinten verschoben, und es kam schon mal vor, dass es das Abendessen erst nach Mitternacht gab.

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Bei dem Riesen sehen alle Fische klein aus

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Die schwedische Durchschnittsgröße

Nach einer guten Mittagspause und Stärkung mit Gemüse-Nestlingen und Rührei mit Zwiebeln wollten wir uns am Nachmittag – oder eher Abend – der Hechtfischerei widmen. Wir befischten größere Krautfelder und einige Binsengürtel im Fluss, aber die ANgelei gestaltete sich eher zäh. Wir waren nach 2 Tagen Schweden einfach schon komplett verwöhnt. Wir fingen zwar einige Fische, der einsetzende Regen mit knackigem Wind machte das Angeln auf den Kanus aber nicht wirklich angenehm. Mit dem Wissen, einen brennenden Barschspot im Windschatten einer Insel zu haben, blieben wir nicht lange bei den Hechten und kehrten nochmal zu den Barschen zurück. Die Verlockung war einfach zu groß. So vergingen die letzten Stunden des dritten Tages wieder mit einer guten Barschangelei, die wir am Ende aus Windgründen vom Ufer fortsetzten.

Nach dem Angeln und vor dem Abendessen stand natürlich erstmal das Fischeversorgen auf dem Programm. An dieser Stelle ein großes Lob und Dankeschön an Lion, der bei Wind und Wetter jeden Tag das Filetieren übernommen hat und dessen Hände nach einer Woche Filetierarbeit ziemlich mitgenommen waren – die Mücken haben ihr Übriges dazu beigetragen.

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Der fleißige Filetierer bei bestem Sonnenschein

Das Abendessen bestand dann aus zwei Gängen Fisch. Zur Vorspeise gab es die Forellenfilets auf der Haut gebraten, mit Pfeffer und Salz gewürzt. Ich glaube, ich habe noch nie eine so leckere Forelle gegessen. Zum Hauptgang folgten dann die Barschfilets in Eipulver und Pankomehl, dazu frisches Fladenbrot aus der Pfanne mit Zwiebeln, Knoblauch und Remoulade.

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1. Gang: Die beste Forelle ever :)

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2. Gang: Barschfilet in Panko auf frischem Fladenbrot

Nach einem letzten Schluck Bier und einem Abschlussgläschen Rum ging es dann nach diesem fantastischen Festmahl direkt und ohne mitternächtliches Fischen ins Bett. Es waren schwere Gewitter im Anmarsch, und es schüttete die ganze Nacht.

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Es wird ungemütlich...
 

Mr.Lu

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Wahnsinn. Was ist denn los, Leute? Ein krasses Abenteuer jagt das nächste. Darf das dann auf die Startseite, @Mr.Lu ?
Vielen Dank für die Blumen .

@dietel Ich würde mich sehr geehrt fühlen, unseren kleinen Bericht auf der Startseite zu finden.

@Fuchur Da hast du völlig recht. Gibt doch nichts besseres, als die Eiszeit mit Angelreiseberichten zu überbrücken . Tag 4 folgt in Kürze.
 

waterwolf

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Schöner Bericht, bin schon gespannt wie's weitergeht!
Wart ihr dann eher nördlich von Sorsele auf dem Storvindeln unterwegs? Weil weiter südlich kommen ja Stromschnellen allen paar Kilometer...
 

HHangler

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Moin Moin, mein aller herzlichen DANK für das Mitnehmen, toll.

Gruß aus Hamburg
 

Mr.Lu

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Tag 4

Es schüttete die ganze Nacht. Durch den leichten Schrägstand der Zelte war es ohnehin nicht die bequemste Nacht. Am Morgen hieß es dann erst einmal: Zelte und Schlafsäcke trocknen. Es gibt kaum etwas Schlimmeres, als nasse Sachen in einem Seesack zu verstauen – nur um am Abend beim Öffnen vom feuchten Aroma begrüßt zu werden.

Nachdem wir alles halbwegs getrocknet und uns mit einem großen Müsli-Frühstück gestärkt hatten, wurde wieder gepackt und die Kanus beladen.

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Aufbruchstimmung nach der Regennacht

Für die kommenden Tage war zwar kein Regen mehr angesagt, aber in Schweden muss das nicht unbedingt etwas heißen. Regenklamotten griffbereit zu haben, ist hier definitiv kein Fehler.
Natürlich steuerten wir zunächst noch einmal den Barsch-Spot vom Vortag an. Viel zu verlockend, einfach daran vorbeizupaddeln – schließlich wussten wir, dass die Barsche dort regelrecht gestapelt standen. Irgendwann hieß es dann aber doch Abschied nehmen und neue Gefilde erkunden.
Ehrlich gesagt war der Fluss in diesem Abschnitt ein einziger Hotspot. Jede Stelle sah besser aus als die andere. Tragisch nur, dass wir täglich ordentlich Strecke machen mussten. So blieben uns meist nur drei bis vier Angelstunden und etliche vielversprechende Spots mussten unbeangelt bleiben.

Am Vormittag entdeckten wir eine kleine Bucht, gesäumt von Schilf- und Binsengürteln. Es roch förmlich nach Topwater-Attacken von Hechten.
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Schnell montierten wir ein paar Topwater-Frösche und befischten den Eingang der Bucht. Die ersten Attacken ließen nicht lange auf sich warten. Allerdings gelang es uns zunächst nicht, einen Hecht zu landen. Im flachen Wasser sah man die Bugwellen mit mehreren Metern Anlauf auf den Köder zuschießen – Adrenalin pur. Doch wir schlugen das ein oder andere Mal zu früh an. Den verzögerten Anhieb beim Topwaterangeln mit Fröschen mussten wir erst verinnerlichen.
Nachdem wir die Bucht ausgefischt und rund 15 Attacken nicht verwerten konnten, wechselte ich auf einen Stickbait – und konnte schließlich doch noch zwei schöne Hechte landen.

Inzwischen waren die anderen allerdings schon weitergepaddelt, also hieß es für uns: in die Riemen legen und aufschließen.
Auch an diesem Tag gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz wieder schwierig. Am Ende entschieden wir uns für eine halbmondförmige Insel mitten im Fluss. Der Platz barg allerdings ein gewisses Risiko: Es gab kaum Bäume, und bei einem Unwetter wären wir ziemlich exponiert gewesen. Nach mehreren Checks des Regenradars waren wir jedoch zuversichtlich, eine ruhige Nacht zu haben, und schlugen unsere Zelte auf.

Um ehrlich zu sein: Diese Insel war fast kitschig für den schwedischen Norden. Sandstrand, keine Mücken dank fehlender Bäume und bestes Wetter. Nachdem die Zelte standen, nutzten wir den Strand erst einmal für eine ausgiebige Badeeinheit.

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Frisch erholt ging es wieder ans Wasser. Es sollte Fischcurry zum Abendessen geben, allerdings war noch kein Fisch eingetütet. Also befischten wir zunächst die tieferen Bereiche rund um unsere Insel. Doch außer ein paar kleinen Barschen tat sich nichts. In der Umgebung lagen weitere Inseln, deren Kanten zum tieferen Wasser deutlich vielversprechender aussahen. Und tatsächlich: Dort fanden wir einige schöne Barsche, die wir mit Jigspinnern und EasyShinern überlisten konnten.

Im flachen Wasser entdeckten wir schließlich noch eine Äsche, die an der Oberfläche Insekten einsammelte. Ein Spinner wurde ihr serviert und auch sie konnte nicht widerstehen. Damit war das Abendessen komplett.

Zurück auf unserer Insel richteten wir uns eine kleine Kochstation ein. Es gab ein einfaches, aber grandioses Fischcurry aus Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Kokosmilch und unseren frisch gefangenen Fischen. Dazu Reis und ein Spritzer Limettensaft – eine brutal gute Kombination.

Den Abend ließen wir entspannt mit einem Glas Rum und Musik von Johnny Cash ausklingen, während die Sonne langsam hinter dem Fluss verschwand.

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Mr.Lu

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Schöner Bericht, bin schon gespannt wie's weitergeht!
Wart ihr dann eher nördlich von Sorsele auf dem Storvindeln unterwegs? Weil weiter südlich kommen ja Stromschnellen allen paar Kilometer...
Genau, wir waren nördlich von Sorsele. Wir haben ca. 80km oberhalb eingesetzt und sich dann in einer Woche bis Sorsele gepaddelt.
Richtige Stromschnellen sind uns keine begegnet ;)
 

Mr.Lu

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Tag 5

An diesem Morgen knallte die Sonne so richtig vom Himmel und das Zelt hatte schon zu früher Stunde eine richtige Sauna Temperatur erreicht. Nach dem unfreiwilligen Saunagang hieß es erstmal am „privaten“ Strand abkühlen und erfrischen. Nach dem morgendlichen Badespaß und einem reichhaltigen Frühstück stießen wir wieder in See.

Auf den ersten Metern tat sich kaum etwas. Also machten wir Strecke und erreichten nach knapp einer Stunde Paddeln die Engstelle des Flusses. Auf etwa 500 Metern beschleunigte das Wasser deutlich und endlich fühlte es sich nach richtigem Flussangeln an.

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Wir ließen uns durch den Abschnitt treiben und korrigierten die Fahrt nur mit leichten Paddelschlägen. Am unteren Ende der Rausche legten wir auf beiden Seiten an und begannen zu angeln. Die starke Strömung sah verdächtig gut nach Forellen und Äschen aus.

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Mit Spinnern und Jigspinnern bearbeiteten wir die Stelle. Auf der gegenüberliegenden Seite fingen Lenny und Felix direkt einige kleinere Forellen. Bei Lion und mir schienen eher die Äschen zu stehen. Tief geführte Jigspinner in der Strömung brachten schnell die ersten Bisse, und wenig später hing bei mir eine richtig gute Äsche an der 7g Major Craft Rute. In der starken Strömung lieferte sie einen grandiosen Drill. Als ich sie schließlich ins ruhigere Wasser vor meine Füße dirigiert hatte, schoss plötzlich ein stattlicher Hecht heran und packte sich die Äsche. Auf einmal hing ein vermutlich meter+ Hecht an meiner leichten Rute und es begann ein minutenlanges Tauziehen. Der Kollege wollte seine Beute nicht loslassen. Am Ende ließ er doch ab und verschwand wieder in der Strömung. Die Äsche hat das leider nicht überstanden.

Natürlich feuerten wir sofort Swimbaits und andere Hechtköder in die Strömung aber der Räuber blieb unsichtbar. Erst als die nächste Äsche am Haken hing, kam er wieder aus seiner Deckung. Diesmal war ich schneller und zog den Fisch am Hechtmaul vorbei. Wieder eine schöne Äsche, knapp 40 cm.
Ein paar Würfe später, im Kehrwasser auf der anderen Seite, steigt dann ein richtiger Brummer ein und reißt direkt Schnur von der Rolle. Zuerst vermutete ich eine starke Forelle, doch es war eine massive Äsche. Das Maßband zeigte 48 cm. Nach einem kurzen Fototermin durfte sie wieder schwimmen.

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Nachdem die Rausche ausgeangelt war, paddelten wir ein Stück flussabwärts. Unterhalb bildeten sich auf beiden Seiten große Kehrwasser. Im tiefen, klaren Wasser sahen wir riesige Kleinfischschwärme. Hier mussten doch sicher auch einige Räuber stehen.
Und genau so war es. Wir fingen reihenweise Barsche, dazwischen immer wieder Äschen. Keine Riesen, aber die Frequenz war brutal und die Zeit verging wie im Flug.

Irgendwann mussten wir uns dennoch losreißen und einen Lagerplatz suchen. Das gestaltete sich erneut schwierig. Traumhafte Sandstrände direkt am Wald, aber überall riesige Ameisenburgen. Neben ihnen zu campieren hätte sicherlich für ungebetene Gäste gesorgt. Schließlich fanden wir doch noch einen ameisenfreien Platz: ein schöner Strand zwischen Schilf und Binsen, direkt am Waldrand. Der Nachteil in Nordschweden: Waldrand bedeutet Mückenhochburg.

Dank des ebenen Sandbodens stand das Camp schnell. Zum Abendessen gab es Nudeln und Couscous, dann brachen wir zur nächsten Angelrunde auf. Auf Google hatten wir einen kleinen Flussarm ausgemacht, der zumindest auf dem Handy extrem vielversprechend aussah.

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Zunächst befischten wir jedoch die Binsenfelder rund ums Camp mit Topwater-Fröschen. Das Froschangeln klappte inzwischen deutlich besser: Biss abwarten, zwei Sekunden den Anhiebsdrang unterdrücken – und dann durchziehen. So landeten einige kleinere Hechte direkt vom Kanu aus.
Dann fuhren wir Richtung Flussmündung. Hier fangen wir noch einige Äschen und kleinere Forellen und lassen den Abend bei wunderschöner Stimmung und einem herrlichen Sonnenuntergang ausklingen.

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Auf dem Rückweg bekam Lenny im tieferen Wasser vor einem Binsenfeld einen harten Einschlag auf seinen Jigspinner. Nach knackigem Drill kam ein wunderschön gezeichneter Hecht zum Vorschein. Mit 85cm Lennys bester Fisch der Tour und auch sein neuer Hecht-PB!

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Während die anderen zurück ins Camp paddelten, konnten Lion und ich noch nicht aufhören. Langsam fuhren wir weiter an den Binsen entlang, einer warf, der andere paddelte. Die Hechte waren allerdings nicht mehr im Fressmodus und ignorierten unsere Köder. Dafür tauchten plötzlich Barsche im flachen Wasser auf. Bei maximal einem Meter Tiefe konnten wir die Fische auf Sicht anwerfen und noch einige schöne Dreißiger fangen. Gegen 23 Uhr kehrten wir schließlich zurück.

Dank des Regens war das Feuerverbot inzwischen aufgehoben und das nutzten wir sofort. Feuer gehört zum Campen einfach dazu. Und es vertreibt zumindest einen Teil der Mücken. Den Rest der Viecher versuchten wir mit Thermacell und Antibrumm in Schach zu halten.

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So ließen wir den Abend am Lagerfeuer ausklingen, rösteten Stockbrot, grillten die Fische direkt über den Flammen und genossen eine regenfreie Nacht. Nach einem kleinen Gute-Nacht-Rum ging es schließlich gegen zwei Uhr morgens ins Zelt.
 
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