Kleinanzeigen macht mich manchmal fertig.
Ich hatte einen Schachtkonus von unserer Baustelle an
Selbstabholer zu verschenken. Wiegt 350kg. Also so einen Öschi:
Innerhalb von 24 Stunden kam 6x „Noch da?“. Alle sechs Nachrichten habe ich beantwortet, aber es kam keine Rückmeldung mehr. Warum man die Verfügbarkeit anfragt und danach nie wieder schreibt, erschließt sich mir nicht so ganz, aber ok. Kleinanzeigen ist zum Glück nicht repräsentativ für die Menschheit. Das ist eine eigene Spezies.
Heute meldete sich dann Jürgen (*Name geändert). Der schrieb zwar ohne Punkt und Komma, war aber im Gegensatz zu den anderen Interessenten immerhin freundlich und konnte ganze Sätze formulieren (insofern man sich Punkt und Komma hinzudenkt).
Heute gegen 15:00 Uhr kam Jürgen dann. Zwar eine Stunde später als abgemacht, aber dass ein Kleinanzeigen-Interessent auch wirklich erscheint, ist ja mittlerweile fast schon eine Seltenheit.
Aber Jürgen kam nicht mit einem Kranwagen oder ähnlichem schweren Gerät. Nein, Jürgen kam mit einem Minivan und einem winzigen Anhänger. Da passen vielleicht zwei Fahrräder rein. Zur Erinnerung: Das Ding hat 1,20 m Durchmesser und wiegt 350kg.
Helfer hatte Jürgen auch nicht dabei, streckte mir aber optimistisch zwei Spanngurte entgegen. Wie er die 350kg auf den Anhänger heben wollte, konnte ich mir nicht erklären – und er sich offenbar ebenso wenig.
Die aufmerksamen Nachbarn fingen auch schon an, die Hälse zu strecken und kamen dann dazu, um uns bei der körperlichen Arbeit zu unterstützen und den Koloss in Richtung Anhänger zu hieven. Aber nun kam das nächste Problem: Das Scheißteil ist zu breit für den Anhänger. Passt nicht rein.
Egal – jetzt ist Jürgen schon da, dann muss das Ding auch mit, im Zweifelsfall hochkant. Nachdem wir einsehen mussten, dass wir selbst zu viert nicht stark genug sind, bot mein Schwiegervater an, unseren Minibagger zu holen.
Aus „Vielleicht geht es mit zwei Spanngurten“ war dann binnen 60 Minuten „Der Minibagger packt es gerade noch so“ geworden. Mit dem Minibagger hat es dann aber geklappt.
Jürgen meinte dann noch so spaßig: „Warum habt ihr nicht gleich gesagt, dass ihr einen Minibagger habt? Dann hätten wir uns gar nicht so anstrengen müssen.“
Ich erinnerte ihn dann daran, dass eigentlich nicht einmal geplant war, dass wir ihm überhaupt helfen.
So viel zu „Selbstabholung“…
