Sichtfischen auf Wolfsbarsch in der Bretagne

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StephenFly

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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Der ein oder andere hat ja im Wolfsbarsch Thread die diesjährigen Bretagne Fänge gesehen, jetzt kommt noch ein kleiner bebilderter Bericht dazu. Da in den letzten Jahren die Algenproblematik der Flachwasserbereiche immer größer wurde, versuchten wir dies zu umgehen, indem wir früher starteten. Statt Mitte/Ende Juni wurde es ab dem 12.05. ernst.
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Frankfurt HBF, los geht's!

Das sich unsere Hoffnung nur teilweise erfüllte, fanden wir dann recht schnell raus. Zwar gab es deutlich weniger aber nach wie vor mehr als genügend Algen um am Haken hängen zu bleiben. Extrem nervig, vor allem wenn man einen guten Barsch ausgemacht hatte und das Zeug dann einfach überall „klebte“. Da half dann oft nur Stelle Wechseln oder aber sogenannte SchwimmShrimp Muster. Das sind Fliegen, welche mit Mossgummi gebunden werden, je nach Stärke des Hakendrahtes und Menge des Gummis kann man die Sinkgeschwindkeit Steuern, das Muster Suspendern oder direkt an der Oberfläche schwimmen lassen. Wie so oft im Leben, ist dabei der Mittelweg oft der Richtige. Sprich wenn die Fliege weder ganz oben noch unten langzog, war das Optimal. Das macht dann auch wirklich spaß, wenn man sieht, wie sich die Imitation perfekt im Mittelwasser hält. Ich habe z.B. eine Variante, die das nahezu perfekt hinbekommt und seit 4 Jahren Fisch bringt, dazu aber später mehr.
Da wir in den ersten Tagen nur zu zweit waren und ein Auto „sparen“ wollten, reisten wir mit dem Zug an. Super angenehm, unkompliziert und vor allem blitzschnell vor Ort. Das war echt krass! Wie wir dann beide schnell feststellten, hielt uns jeweils eine Ordentliche Erkältung in ihren Fängen. Tolle Vorrausetzungen für knapp 2 Wochen anstrengende Fischerei. Den ersten Abend verbrachten wir dann in einer recht schlammigen Ecke, ohne dass wir Fisch ausmachen konnten.

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Kein Fisch zusehen, matschepampe Wasser...
Für den nächsten Tag sattelten wir dann um 6Uhr morgens die Räder, leider waren diese etwas weniger gut in Schuss als gehofft, aber man ist ja ein Mann und keine Memme. Den kürzeren Weg über Maps angewählt und los ging es. Das sah schon sicher ganz hervorragend aus. Ich mit meinen 1,87m Größe, langen Haaren und Bart auf einem Violetten Fahrrad, ohne wirklichen Griff (Blankes Metall) in Wathose, Angelrute in der Hand und gib ihm.
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Das die kürzere Route automatisch mehr Steigung bedeuten sollte, wurde uns dann auch erst während der Fahrt so richtig klar. Großartig! (Wir erinnern uns – beide krank) Wenn es also zu Doll wurde, musste ich schieben, hätte es bei mir früher niemals gegeben, heute sieht das anders aus…
Der derartige Einsatz wurde allerdings nicht wirklich belohnt, es gab zwei, drei kleine Wolfsbarsche, aber ansonsten war es das. Zurück fuhren wir den längeren aber deutlich entspannteren Weg. An der Stelle wurde uns dann auch klar das wir einen Leihwagen benötigten für zwei oder drei Tage, ansonsten würde das eine Nahezu unmögliche Aufgabe werden. Also 7km bis zur Touristen Information gelatscht, dort zum Glück passende Infos eingeholt und weiter nochmal 2-3km gelaufen. Die Auto Geschichte zu guten Konditionen ließ sich schnell klären und somit ging es deutlich entspannter von statten.
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Den Rest des Tages ignorierten wir dann allerdings, für diesen hatten wir den Kaffee auf. Tag Nummer zwei brachte uns an einen Fluss, welcher relativ schnell zu erreichen war. Hier konnte mein Kumpel dann seine erste Fische landen, allerdings ebenfalls wieder recht klein. Auffällig war das fehlen der grünen Strandkrabben und Garnelen, im Gegensatz zu sonst waren diese kaum bis gar nicht vorhanden. Vermutlich hatte dies mit dem noch relativen kühlen Wasser, resultierend aus einem kalten Frühjahr zu tun. Die Natur war einfach noch nicht so weit (Die Algen hingegen schon). Das Gewässer war recht speziell und nicht easy, von daher vermutlich auch nicht überraschend, dass nicht viel passierte.
 

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StephenFly

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Unser Guide oder mittlerweile kann man wohl eher Freund sagen, meldete sich dann abends auch bei uns mit einem Hinweis auf ein Gewässer und so stand schnell der Plan für Tag drei. Eine Stunde fahrt aber dafür vernünftige Chancen auf Fisch. In den letzten Jahren war es dort wohl sehr schwer, aber Besserung war in Sicht.
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Einzig das Wetter würde uns nun noch die Stimmung verhageln können, immer stärker werdender Wind sowie zwischendurch Regen, war gemeldet. Gerade der Wind ist ein Thema bei der Art von Angelei. Im Idealfall Bestand diese nämlich aus reiner Sichtangelei. Man versucht, langsam am Ufer entlang wandernd, Barsche im sehr flachen Wasser beim Jagen ausfindig zu machen, ihren möglichen Weg vorauszuahnen um dann die Krebs oder Shrimp Fliege passend zu präsentieren. An meiner ersten Stelle konnte ich direkt eine Shrimp Jagd beobachten, hatte aber Aufgrund der Wellen keinerlei Chance den Fisch zu beobachten. Ich weiß nicht einmal, wie groß dieser war. Etwas frustriert wegen des Windes zog ich um die Ecke in eine, zumindest etwas besser, Geschütze Bucht zu wandern. Dort konnte ich sehr bald den nächsten Barsch in ordentlicher Größe ausmachen. Zunächst versuchte ich es mit meiner bereits Montierten Krebsfliege, schnell wurde mir aber klar, dass Aufgrund des extrem matschig braunen Wassers der Fisch diese gar nicht sehen konnte und wohl wieder Garnelen gejagt wurden.
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Wird schon klappen mit dem Ding...
Die Shrimps versuchten an der Oberfläche hüpfend zu entkommen und konnten daher natürlich immer noch entdeckt werden. Da ich meine potenzielle Beute nun erstmal erfolgreich vertrieben hatte, nutze ich den Moment um neu zu Montieren. Eine meiner Cocktail-Shrimp Fliegen sollte es richten. Das Muster ist eine relativ genaue Nachbildung und eignet sich daher sehr gut für die Sichtfischerei. Während ich also nun (noch entspannt) am Knoten war, kam besagte Beute zurück und jagte einige Meter links von mir erneut die kleinen Eiweiß Bomber. Leichte Hektik brach aus, endlich war alles fertig und ich konnte langsam rüber schleichen. Das Tier schien nicht das kleinste zu sein und ich machte daher den ersten Wurf, knapp einen Meter oberhalb. Das dauerte auch überhaupt nicht lang bis der Wolfsbarsch den leichten Aufschlag der Fliege bemerkte, er drehte sich um, nahm Anlauf und schoss voll auf meinen Köder. Anhieb und hing! Nach etwas hin und her, zwei Fluchten mit etwas Schnur von der Rolle Gezerre, konnte ich ihn dann aber Keschern. Das Maßband zeigte gute ü 60cm.
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Na, das war ja mal ein ordentlicher Einstieg in den Urlaub! Das war überhaupt in all den Jahren erst mein zweiter der Größenordnung, konnte man so stehen lassen! Die Woche war damit natürlich geritzt und ich zufrieden. Darf man dann auch sein. Mein Wunsch für die 1,5 Wochen, war ein Wolfsbarsch ü50cm, damit wäre ich sofort komplett zufrieden gewesen. So rum aber natürlich noch besser!
Für den Tag war es das dann auch tatsächlich für mich, ich konnte zwar zwei Mal noch Fische ausmachen, diese waren aber derart Scheu das ich keine Chance hatte sie zu erwischen. Nach dem Start aber egal! Glücklich und zufrieden ging es dann abends heim…

Insgesamt muss man sagen das deutlich weniger Fisch unterwegs war, als wir das von den früheren Reisen kannten. Gerade die mittleren von 40-50cm sahen wir quasi gar nicht. Die sorgten in der Vergangenheit öfter für eine kurzweilige Fischerei und Spannung. Für mich persönlich nicht ganz so schlimm, fange ich doch lieber weniger aber dafür größere Exemplare. Auch hier würde ich das kühle Frühjahr verantwortlich machen, der Großteil der Fische trieb sich eben noch anderweitig rum. Wenn es einem um Frequenz geht, ist dies natürlich ein großer Nachteil. Ich kann auf jeden Fall nur sagen das ich noch nie so viele „gute“ und auch wirklich große ü80cm Fische gesehen habe. Mir fehlt zwar die richtige Erfahrung zu dem Thema aber meine Theorie dazu ist, dass die ganz kleinen und auch die großen Fische als erstes an die Spots wieder kommen oder diese gar nicht lange verlassen und der Mittelbau quasi eher anderweitig unterwegs ist. Ist wie gesagt aber nur eine Theorie, als nicht Lokal wird sich das nicht herausfinden lassen.
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Schwer verdient :hearteyecat:

Der nächste Teil kommt heute Abend oder so...
 

StephenFly

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Hat nen Moment länger gedauert, ich bin aktuell etwas im Flussbarsch Fieber und habe daher nen etwas anderen Fokus :sweatsmile:. Von daher geht es nun hier weiter...

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Nun folgten ein paar Tage ohne nennenswerte Begebenheiten, seien es gute Fische, außergewöhnliche Beobachtungen oder ähnliches. Wir machten uns jeden Morgen soweit fertig, fischten die dementsprechenden Gezeiten und ließen es uns allgemein gut gehen. Wer z.B. auf Gebäck/Kuchen steht, sollte zwingend an den Örtlichen Bäckereien vorbeischauen. Die kleinen Törtchen mit Erd- oder Himbeere garniert sind ein Gedicht!
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Könnte ich mich reinsetzen. Wenn es davon nicht mindestens eines gibt, war der Tag nichts. Auch sollte man die Chance auf ein deftiges Galette unbedingt wahrnehmen. Kann schon einiges!
Wir hatten uns auf jeden Fall mal wieder für eine unserer liebsten Ecken entschieden, Austernbänke ohne Ende und im Idealfall diverse Barschtrupps am Jagen. Diese waren in der Vergangenheit entweder am Krebse fressen, was relativ unauffällig stattfand oder aber am Shrimps jagen, dies tun sie dann aber extrem lautstark. Das knallt dann schon recht ordentlich, vor allem wenn es ein Trupp besserer Fische ist. Wie zwischendurch erwähnt war dieses Mal alles etwas anders und die Fische natürlich relativ unauffällig zugange. War ja klar! Das macht das finden dann nicht ganz so einfach, wild drauf los Werfen, macht dabei wenig sinn, da es viel Strecke ohne Fisch zu belaufen geben kann. Im Prinzip fängt der spannende Teil 30min vor Tiefstand an und geht dann so 2 max. 3 Stunden in die Flut rein. Generell ist es am erfolgversprechendsten, wenn man das Wasser verfolgt, sprich in die Flachsten Bereiche man seine Köder wirft. Bis man das ein paar Mal gesehen hat, kann man sich nicht vorstellen in wie wenig Wasser diese Fische zum Jagen ziehen.
Auf jeden Fall war der Tag für mich so richtiger Blödsinn, meine Güte war ich genervt. Fast jeder Wurf landete, Aufgrund des Windes in den Austernbänken, im Kraut oder generell nicht dort, wo der Fisch langzog. On Top schaffte ich es quasi bei jeder Sichtung eines Barsches, diesen zu verscheuchen. Vollkommen egal ob das ein kleiner 20cm Fisch oder die 70cm Variante war. Das meine Stimmung sich nach guten 3 Stunden, Fluchen, Gezerre und irritierend schnell Verscheuchten Fischen, auf dem Tiefpunkt befand, kann sich wohl jeder Vorstellen. Damit ich nicht jedes Mal Kraut vom Haken zupfen musste, hatte ich auf einen SchwimmShrimp gewechselt. Speziell diese Fliege begleitete mich schon seit 4 Jahren in die Bretagne und hatte einige schöne Fische gebracht.
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Der sollte es also richten, wenn nicht mit dem Teil dann wars, eh sinnlos. Mittlerweile war das Moosgummi ausgelutscht, die Rippung locker, sowie das Dubbing stark ausgedünnt. Die hatte also wirklich einiges mitgemacht. An diesem Tag blieben mir vielleicht noch knapp 20 Minuten, danach wäre es das für den Tag gewesen. Direkt hinter einer zweireihigen Austernbank konnte ich auf 10m Entfernung Fisch ausmachen. Da das für die Augen dann schon langsam kritisch wird, war ich mir nicht sicher, ob Barsch oder Meeräsche, also lieber einmal mehr angeworfen, als ignoriert. Nachher wars doch ein Barsch und man verpasst diesen deswegen. 5 oder 6 Würfe lang folgte keinerlei Reaktion, ich wollte schon Aufgeben, also der 6 bzw. 7 Wurf zur Sicherheit, die Fliege unmittelbar neben dem Fisch landen ließ. Dieser reagierte nun plötzlich, drehte sich einmal komplett, kam hinter der Fliege lang, ich konnte genau sehen, wie das Maul aufging, man noch einen Flossenschlag machte, um zu beschleunigen und schwupps, weg war mein Shrimp. Oh Fuck! Das war ein Wolfsbarsch, oh Fuck, oh Fuck, nen richtig guter Wolfsbarsch. Oh Verdammt! Austernbank direkt hinten dran. Gott sei Dank kennen wir das Spiel und ich hatte eh ne 0.4er Vorfach Stärke drauf, also halten was das Zeug hält. Bloß nicht nachgeben und den Fisch in die Deckung kommen lassen. Das ist oft leichter gesagt als getan, ich gab aber tatsächlich überhaupt nicht nach, sondern Fokussierte das ganze in etwas freierem Raum. Wenn man in so einem Fall schlechte Knoten macht, weiß man das sehr schnell an dieser Stelle. Alles klappte aber und irgendwann konnte ich das Biest Keschern. Wow was nen Apparat! 62 vielleicht sogar 63cm lang, auf jeden Fall ähnlich groß wie der überhaupt bislang größte, aber dafür ungleich „fetter“, meine Güte war der gut gebaut. Sicherlich der bislang beste Vertreter seiner Art. Man war ich Happy und das nach so einem Tag. Von Pfui zu hui mit gefühlten 300kmh…
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Demnächst kommt dann noch der letzte Teil, da ich nun nen Moment abends daheim hocken werde, sollte sich etwas Zeit zum schreiben finden lassen.
 

Fuchur

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Wow, vielen Dank für den schönen Bericht! Das nimmt einen direkt mit an die Küste.
I
 

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