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Baitcaster-Theorie: Die entscheidenden Parameter beim Werfen
Bestimmende Größen sind hier (wenn man alle Bremsen offen hat) die Art und Qualität der Achsenlager (Reibung) und das Gewicht der Spule samt Schnurfüllung (Trägheit). Auch die verwendete Schnur, Luftwiderstand des Köders in Relation zu seinem Gewicht sowie die Rute spielen eine Rolle. a. die Lager Die Achse der Spule ist auf beiden Seiten von Kugelagern gefasst. Diese sind die für die Wurfperformance entscheidenden Lager. Spulenachsenlager mit geringen Toleranzen (ABEC-Klasseneinteilung) und hoher Qualität haben eine geringe Reibung. Es ist somit weniger Kraft nötig, die darin gefasste Spule in Rotation zu versetzen und sie verharrt auch länger in Bewegung. Spule und Lager müssen als Einheit betrachtet werden. Beides zusammen entscheidet über Wurfweiten und verwendbares Ködergewicht. Die Lager über die Reibung, die Spule über ihre träge Masse. Zusatzwissen: Dabei ist zu beachten, dass auch das Fett/Öl in den Lagern (je nach Viskosität mehr oder weniger) Widerstand erzeugt. Es besitzt eine innere Reibung und muss zusätzlich von den Kugeln verdrängt werden. Ölfreie/fettfreie Lager können daher "schneller" aber lauter gegenüber den baugleichen gefetteten Lagern sein. Das Fett/Öl dient hier mehr der Verschleißminderung und dem Korossionsschutz. Es kann außerdem genutzt werden, um die Lager gezielt etwas "langsamer" zu machen. Ein Öl mit sehr niedriger Viskosität hingegen, kann aber durchaus insgesamt eine Reibungsverminderung bedeuten. Die Lager sind dann mit Öl schneller. Hier ist der reibungsmindernde Effekt des Ölfilms zwischen den Kugeln und Laufbahn höher, als die Reibung/Verdrängungwiderstand im Öl selbst. Hochwertige Lager sind mit ein Grund, warum Baitcaster für leichte Köder etwas teurer ausfallen.
Physikalisch betrachtet besitzt die Spule aufgrund ihres Gewichtes (inklusive Schnur) eine gewisse Trägheit, die überwunden werden muss, um sie zu einer Drehbewegung zu veranlassen. Die Trägheit ist die Eigenschaft von Körpern, in ihrem Bewegungszustand zu verharren, solange keine äußere Kraft auf sie einwirkt. Je größer die träge Masse eines Körpers (Spule) also ist, umso weniger beeinflusst eine auf ihn einwirkende Kraft seine Bewegung.
Das bedeutet: Hohes Spulengewicht erfordert größere Kraft für eine ausreichend starke Drehbewegung.
Für leichte Köder werden also leichte Spulen nötig, die Fertigungs/Materialbedingt wiederum den Preis der Baitcaster erhöhen.
8 Gramm sind nicht gleich 8 Gramm beim Werfen. Zwar wird die Spule in Rotation versetzt und der Köder beginnt zu fliegen, aber was danach geschieht, ist gänzlich verschieden: Köder mit geringem Luftwiderstand (Blei) werden nur wenig gebremst im Flug. Sie garantieren einen sich relativ gleichmäßig verlangsamenden Flug, der leichter zu kontrollieren ist, ohne dass sich die Spule überschlägt. (Überschlagen bedeutet, dass die Spule schneller Schnur abspult, als der Köder im Flug weiterziehen kann. Auch backlash oder bird´s nest genannt.) Versucht man diesen Wurf mit einem unförmigen Wobbler (hoher Luftwiderstand) gleichen Gewichts, wird dieser seine Fluggeschwindigeit schneller reduzieren als das Blei. Es wird wesentlich schwieriger, die Spulendrehzahl (über die Wurfbremsen der Rolle oder den Daumen) der Fluggeschwindigkeit des Köders anzupassen.
Hochwertige Rollen für leichte Köder, die ohnehin wesentlich besser bei geringen Ködergewichten "starten", vereinfachen dies. Muss ich erst Schwung holen wie verrückt, damit der Köder überhaupt fliegt, werde ich kaum Kontrolle über das Spulenverhalten haben.
Die Bedeutung der Rute wird oft vernachlässigt. Sie fällt hier stärker ins Gewicht als bei Stationärrollen. Eine Rute, deren Wurfgewicht an die Köder die ich werfen will angepasst ist, überträgt die Bewegungsenergie des Köders effizienter auf die Spule und verstärkt sie. Sie lädt sich auf wie ein Flitzbogen und nach Freigabe der Spule durch den Daumen, wird die im Blank gespeicherte Energie frei und ermöglicht weitere Würfe als zu stark gewählte Ruten. Daher haben Profis oft sehr viele Kombos, wobei jede einen sehr engen Wurfgewichtsbereich abdeckt. Neben dem Wurfgewicht spielt auch die Aktion der Rute mit hinein. Sehr schnelle/steife Ruten mit Spitzenaktion laden sich oft schlechter auf, vermitteln aber (z.B. beim Jiggen) mehr Ködergefühl. Hier gilt es einen Kompromiss zu finden.
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