Barsch-Alarm.de - Angeln auf Raubfisch
Anmelden
Nachrichten › Praxis des Hechtfanges

Werbung



Praxis des Hechtfanges

Welcher unserer Sportfreunde verspürte wohl nicht das Verlangen, sobald er sich nur das notwendigste Wissen  über den Fang der Fische angeeignet hat, nunmehr auch ,,König Esox“, dem neben dem Barsch meistverbreiteten Raubfisch unserer Gewässer, mit der Angel zu Leibe zu rücken? Erfolg wird dabei aber nur haben, wer neben der nötigen technischen Fertigkeit auch über Lebensweise, beliebteste Standorte und hauptsächliche Beißzeiten des Hechtes das nötige Wissen besitzt.

In den nachstehenden Ausführungen soll den interessierten Sportfreunden etwas darüber vermittelt werden.


Seine Lebensgewohnheiten

Im Gegensatz zu anderen Raubfischen, die ihre Beute beim Umherstreifen im Gewässer durch Verfolgung bis zur Ermattung des Opfers hetzen, ist der Hecht vorwiegend ein Standfisch, der aus seinem Versteck heraus durch blitzschnelles Vorstoßen seine Opfer erbeutet und sie sodann im Unterstand geruhsam herunterschlingt. Diese Form ist der Krauthecht, der über seine Körperfärbung bestens an die pflanzlichen Strukturen der Uferzone angepasst ist.

Vorwiegend schwere ältere Exemplare sind im Freiwasser zu finden, daher nennt man sie auch Freiwasserhechte. Im Verhältnis zu den Krauthechten ist ihre Färbung wesentlich blasser, denn im Freiwasser gibt es keine dichten Pflanzenbestände mehr, somit wäre die Körperfärbung wie bei den Krauthechten eher hinderlich. Freiwasserhechte sind in stetiger Bewegung und ziehen den Beutefischschwärmen hinterher.

Beliebte Unterstände der Krauthechte sind Krautbänke, unterspülte Uferstellen, Scharkanten, Schilfgürtel, versunkene Baumkronen und alle sonstigen Stellen, die ihm ein gutes Versteck bieten. Seine Schutzfärbung unterstützt ihn bei der Tarnung gegen Sicht durch Kleinfische, die für gewöhnlich seine Nahrung bilden.

Daneben vertilgt er auch alle sonstigen Lebewesen, die er, je nach erreichter eigener Größe bewältigen kann, z.B. Wasserkäfer, Frösche, Mäuse, Wasserratten, ja selbst Wasservögel wie Enten geht er an. Seine hoch entwickelten Sinnesorgane prädestinieren ihn geradezu für eine räuberische Lebensweise und der große, mit nadelspitzen Zähnen besetze Rachen ermöglicht es ihm, die Beute sicher zu greifen. Dabei orientiert er sich vorwiegend über den optischen Sinn, zusätzlich noch über das Seitenlinienorgan, eine beidseitig am Körper verlaufenden Region mit freien Nervenendigungen, die ihn über Bewegungen anderer Organismen im Wasser informieren.

Ich habe häufig erlebt, dass einige Meter entfernt befindliche Hechte bereits auf die voraussichtliche Einfallstelle zuschießen, wenn der Spinner noch kurz vor dem Einfall in der Luft schwebte. Sofort nach dem Eintreffen haben sie sich dann den Spinner geschnappt. Ja, es mag abenteuerlich klingen, aber einige Male ist es sogar passiert, dass Hechte noch vor dem Eintreten durch Sprünge aus dem Wasser den Kunstköder in der Luft erhaschten, letztlich jedoch selbst gefangen wurden. Ihr Auge muss also sehr scharf sein.

Dementsprechend hat der Angler sein Verhalten am Wasser auszurichten. Wenn er zu hart auftritt, nimmt der Hecht dieses über seine Seitenlinie wahr. Er bemerkt die drohende Gefahr und entflieht natürlich schleunigst.

Je nach den Jahreszeiten wechselt der Aufenthaltsort des Hechtes natürlich. Wenn nach der winterlichen Härte (Kälte) die Sonne das Wasser erwärmt hat und Kleinfische sich wieder in der flachen Uferzone und den neu gebildeten Krautstellen umhertummeln, kehrt auch der Hecht nach Beendigung der Laichzeit an den Aufenthaltsort zurück, der ihm die beste Möglichkeit bietet, leichte Beute zu machen.

Ziehen sich aber im Spätherbst die Weißfische in tiefere Gewässerregionen zurück, in denen  bei +4 Grad das Wasser am wärmsten ist, so folgt ihnen der Hecht, der dann an den flachen Stellen kaum noch zu erbeuten ist. Dem muss sich der Angler in seiner Angelweise anpassen.

Spinnangeln – aber womit & wo

Die sportlichste Methode für den Hechtfang ist das Spinnangeln mit künstlichen Ködern oder mit am Hakensystem befestigten toten Fischen. Beide Köderarten bieten gute Erfolgsaussichten, wenn sie dem Hecht kunstgerecht dargeboten werden. In flachen Gewässern habe ich mit dem so genannten fliegenden Löffel, der um eine Achse rotiert, die besten Erfahrungen gemacht. Von größter Bedeutung ist die Farbe des Metalls, aus welchem der Löffel besteht. In tieferen Gewässern kann ich den sogenannten Z-Spinner empfehlen, der aufgrund seiner Schwere tiefer herabsinkt und auch größere Hechte zum Anbiss verleitet. Aber über die Wahl der passenden Medizin will ich mich nicht weiter auslassen, da jeder seine eigenen Favoriten hat und selber ein wenig ausprobieren soll bzw. muss.

Ein erfahrener Angler hat einen sicheren Blick für die Stellen im Wasser, die am ehesten Erfolg versprechen. Den noch nicht so geübten Sportfreunden seien hier einige Hinweise gegeben, woran erfolgversprechende Stellen im Gewässer zu erkennen sind. In flachen Seen, Teichen sowie an den Uferzonen von Flüssen sind es besonders die Stellen, an denen sich Ansammlungen von Seerosenblättern, Krautbänke, überhängendes Buschwerk oder von der Strömung unterspülte Uferstellen befinden. In tieferen Seen steht der Hecht gern an der Rohrkante oder an Barschbergen, das sind Bodenerhebungen unter Wasser, die oft bis an die Wasseroberfläche reichen. An den abfallenden Stellen dieser Berge ist häufig Krautbewuchs, der dem Hecht gute Verstecke und den Kleinfischen Nahrung gibt. Im Spätherbst ist er wiederum an all den tieferen Stellen zu finden, die auch Aufenthaltsort seiner Beutefische sind.

Nun noch ein Wort für diejenigen, die statt der Spinnangel die Stellangel mit Köderfisch benutzen wollen:

Sie müssen sich am Wasser so verhalten, dass sie den Hecht nicht durch lautes Auftreten oder ihren Anblick verscheuchen. Die Rute sollte länger sein als bei der Spinnangelei, besonders dann, wenn es zusätzlich noch die Uferverhältnisse erfordern.

Die Größe des Schwimmers sollte so abgestimmt sein, dass er zwar den Köderfisch trägt, aber dem anbeißenden Hecht keinen Widerstand gibt bzw. leistet. Der Hecht könnte sonst Verdacht schöpfen und wieder loslassen.

Die Tiefeneinstellung durch den Schwimmer richtet sich nach Jahreszeit und Wassertiefe. Im Sommer reichen Einstellungen von 40 –60 cm oft aus, während im Winter Tiefeneinstellungen von mehreren Metern  nötig sein können. Als Köderfische sind alle in dem betreffenden Gewässer vorkommenden, kleineren Weißfischarten geeignet.

Merke: Auch der Köderfischangler muss, wenn er Erfolg haben will, genau wie der Spinnangler, größere Strecken des Gewässers systematisch mit dem Köderfisch abtasten bzw. abfischen. Es ist zwecklos, stundenlang die Montage an einer Stelle liegenzulassen, da ja wie gesagt der Hecht ein Standfisch ist. Bis auf die Freiwasserhechte...

,Zigarettenpause oder nicht?

Erfolgt ein Anbiss, darf der Anhieb nicht sofort erfolgen. Vielmehr muss dem Hecht soviel Zeit gelassen werden, dass er den Köderfisch im Maul zurechtdrehen und schlucken kann. Andererseits sollte auch nicht so lange gewartet werden, bis der Hecht den Drilling (mit Köderfisch) schon im Magensack hat. Eine Zeit von 1 Minute sollte meiner Erfahrung nach reichen, um zu gewährleisten, dass der Hecht am Haken sitzt. Bei Rückenköderung mit größerem Einzelhaken kann meines Erachtens  der Anhieb schon nach 15-30 Sekunden gesetzt werden.

Geht ein Anhieb trotzdem fehl, so hat es sich höchstwahrscheinlich um ein kleines Schneiderlein gehandelt, das sich an einen für ihn zu großen Köder herangewagt hat.

Größere Exemplare können eigentlich gleich nach dem Anbiss angeschlagen werden, da sie den Köderfisch schnell vollständig im Rachen haben. Da aber beim Verschwinden des Schwimmers nicht zu ersehen ist, wie groß der zu erwartende –anbeißende Hecht ist, wartet man lieber 1 Minute.

Die häufig erwähnte Zigarettenpause  bis zum Anhieb ist meines Erachtens nicht notwendig. Oftmals überlegt sich ein Kapitaler, wenn er beim Schlucken doch den Haken spürt, das Ganze und würgt den Köderfisch wieder heraus. Plötzlich ist der Schwimmer wieder da, und ein zerkauter Köderfisch zeigt an, dass uns ein Kapitaler durch die Lappen gegangen ist.

Der Drill

Zum Schluss noch ein Wort zum Drill des gehakten Hechtes, unabhängig davon, ob an einer Stellfisch- oder einer Spinnrute gedrillt wird:

Das Drillen hat den Zweck, den Hecht zu ermüden und ihn dem Angler so nahe zu bringen, dass er ihn mit dem Kescher sicher aus dem Wasser heben kann. Wie lange ein solcher Drill andauern sollte, richtet sich nach der Größe des Fisches. Wenn allerdings in Angelzeitungen Drillzeiten von 15-20 min. und noch länger für einen Zehnpfünder angegeben werden, so nötigen mir derartige Berichte nur ein Lächeln ab. Selbst mit 28er Mono habe ich Hechte nie länger als 5 min. gedrillt. Wenn allerdings in manchen Zeitungen oder Live-Berichten von Anglern erzählt wird, dass sie nach einem halbstündigen aufregendem Drill erschöpft über ihrer Beute zusammengesunken sind, so wirkt sich das auf einen fachkundigen Leser schon (r)echt zwerchfellerschütternd aus. In ihrer Aufregung haben die Berichterstatter sicherlich die Zeit des Drilles um ein Vielfaches überschätzt. Der Drill stellt auch bei nur 2 min. Dauer ein sportliches Erlebnis dar. Der gehakte Fisch sollte ja nicht länger als unbedingt nötig gedrillt werden. Denn ein Drill darf nie in überflüssige Quälerei ausarten.

Meines Erachtens haben beide Angelarten ihre Existenzberechtigung. Jeder, der seinem Hobby Angeln mit Köpfchen nachgeht, wird sicherlich sowohl schöne Stunden als auch schöne Fangerlebnisse haben.

Und nun Petri Heil

PS: Nun werden einige sagen, das weiß ich doch alles! Dieser Bericht ist mehr unseren Junganglern und Anfängern gewidmet.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch mal bei Thomsen bedanken, der mir einige Anregungen und  Hilfestellungen gab.



Geschrieben von angleraken Dienstag, 27 Juli 2004 (06:20:00)

"Praxis des Hechtfanges" | Registrieren / Anmelden | 11 Kommentare
Grenze
Für den Inhalt der Kommentare sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich.

Re: Praxis des Hechtfanges
von jackazz12 am Dienstag, 27 Juli 2004 (15:42:32)
(Benutzerinfo | PN senden)
find ich auch klasse! schöner bericht!
und das mit dem spinnern kann ich bestätigen! ich habe schon 3mal hechte fangen können die sich den spinner schnappten als er auf wasser auftrat!



Re: Praxis des Hechtfanges
von angleraken am Dienstag, 27 Juli 2004 (09:08:44)
(Benutzerinfo | PN senden)
danke johannes für die vielen bilder die du nachträglich und bereitwillig eingebaut hast
! ich finde das GF eine gute fiegur abgiebt ,leider kenne ich das zweite gesicht nicht ,aber trotzdem nochmal DANKE


angleraken petri heil



Re: Praxis des Hechtfanges
von Woodland am Dienstag, 27 Juli 2004 (07:44:39)
(Benutzerinfo | PN senden)
schöner bericht, egal ob für anfänger oder profi.
obwohl mir die wartezeit von einer minute doch recht lang erscheint. ich glaube bei der wartezeit würde ich vor aufregung locker 3 zigaretten schaffen. allerdings benutze ich bei köfi´s zwei drillinge und schlage daher immer sofort an. ist gesünder (für beide).*gg*



Re: Praxis des Hechtfanges
von DozeydragoN am Mittwoch, 12 Januar 2005 (12:27:57)
(Benutzerinfo | PN senden)
*g* Hast ja ganz schön viele BNilder von mir eingebaut!

Gruß, DD



Re: Praxis des Hechtfanges
von hechtferdl am Montag, 19 September 2005 (14:46:50)
(Benutzerinfo | PN senden)
petri angleraken, feine zusammenfassung. da is nur eine kleinigkeit, die mir etwas im magen liegt: ich halte beim angeln mit köfis eine miunute wartezeit für viel zu lange! selbst kleinere hechte verschlingen mittlere und größere köfis oft gierig und schnell. ich halte ein system mit 2 drilligen (!) und SOFORTIGEN anhieb nicht nur für weidgerechter, sondern auch für viel effizienter! schließlich lassen manche (satte) hechte nach kurzer zeit wieder los. in teilen hollands ist ein vorfach mit 2 drillingen und sofortiger anhieb sogar vorgeschrieben!!! tight lines sehr glücklich



Re: Praxis des Hechtfanges
von LezdePez am Mittwoch, 24 Dezember 2008 (16:49:55)
(Benutzerinfo | PN senden)
Für mich ist nichts neues dabei, trotzdem ein schöner Bericht!

LG
Leon



Re: Praxis des Hechtfanges
von Mastercaster am Freitag, 27 Februar 2009 (14:30:37)
(Benutzerinfo | PN senden)
für mich ebenfalls nix neues aber super geschrieben!!! cool



Verwandte Links

 Mehr zu diesem Thema Hecht

Die meistgelesenen Nachricht zu diesem Thema Hecht:
In Zeitlupe zum Erfolg! - Winterjerken auf Hecht.

Info

Benutzer
Passwort

Benutzer:
Neuester: mas_de_la_punta
Heute neu: 0
Gestern neu: 4
Gesamt: 11597

Anwesend:
Benutzer: 3
Besucher: 6
Bots / Spider: 3

BA-Crew online:
01: dietel
02: michaausberlin

Forolot

Die letzten 20 Einträge:
 
Eissituation in Brandenburg ?
Letzter Eintrag von schlotterschätt in Berlin & Brandenburg am 08.02.12 um 21:57

PN`s gehen aus dem Ausgang nicht raus
Letzter Eintrag von barschlove in Technik am 08.02.12 um 21:35

Sportex Black Pearl
Letzter Eintrag von KATSCHI in Ruten am 08.02.12 um 21:25

Duo lock snap
Letzter Eintrag von anthony in Zubehör am 08.02.12 um 20:51

Angeln in Südfrankreich (Cote d Azur)
Letzter Eintrag von JohannesFranz in Hotspots im Meer am 08.02.12 um 20:34

Suche Rolle für MB Orochi X4- F6 68 3/8-1 1/2oz
Letzter Eintrag von NorbertF in Baitcaster- und Multi-Rollen am 08.02.12 um 20:27

Barsche aus der Weser zaubern
Letzter Eintrag von Bass07 in Barsch am 08.02.12 um 20:07

Tipps fürs Fischen in Thailand, Salz- und Süßwasser?
Letzter Eintrag von Basshunter94 in Süßwasser im Ausland am 08.02.12 um 19:46

Wo Hecht angeln über Ostern?????
Letzter Eintrag von Camaro in Hecht am 08.02.12 um 19:17

Street Fishing Rallye - Mai 2012 in Berlin
Letzter Eintrag von bassproshops in Berlin & Brandenburg am 08.02.12 um 19:09

Dicke Barsche / Bilderthread 2012
Letzter Eintrag von holle in Barsch am 08.02.12 um 19:06

Rocke vs riple pro
Letzter Eintrag von pikekill in Ruten am 08.02.12 um 19:01

Rutentransport
Letzter Eintrag von fischi78 in Ruten am 08.02.12 um 18:33

shimano curado 201 E7,was kann sie wirklich?
Letzter Eintrag von mimeza in Baitcaster- und Multi-Rollen am 08.02.12 um 18:13

Freud mich..
Letzter Eintrag von Bookwood in User stellen sich vor am 08.02.12 um 17:15

Tackle & Zeugs, das die Welt nicht braucht
Letzter Eintrag von Fetzi in Wühltisch am 08.02.12 um 16:46

Buchstabenknäuel
Letzter Eintrag von schlotterschätt in Wühltisch am 08.02.12 um 16:21

Hayate Black HTBC1
Letzter Eintrag von Dondweezil in Ruten am 08.02.12 um 15:30

Moin
Letzter Eintrag von Woodland in User stellen sich vor am 08.02.12 um 13:39

Neue Zanderrute die tausendste...
Letzter Eintrag von flori66 in Ruten am 08.02.12 um 11:51


Eigenwerbung

Spinnfischen_Buch



Einsatzplaner

Angelwetter in:

Seewetter
Strömung
Pegelstände
Mondphase
Kutter
Fachhändler

Barsch-Alarm.de - 2001 - 2009 - Alle Rechte vorbehalten - powered by MediaSolutions
Partner : el-technik.de ( El-Leuchtfolie, Leuchtfolie, Elektrolumineszenz )