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Nachruf an den Sommer: Timmeler Meer im Spätsommer
Gebucht hatten wir ein schnuckeliges Ferienhaus an einem künstlichen Kanal mit direktem Zugang zum See, Sauna und Co, Boot mit E-Motor ( ich musste dem Vermieter gefühlte Tage lang erklären, dass ich den E-Motor dem 2-Takter vorziehe ) und so ließen wir uns überraschen, was die einwöchige Flucht aus dem Alltag zu bieten hat. Wie dem auch sei, ich denke jeder Angler kennt das innere Verlangen direkt, ohne Umwege und Zeit zu verlieren ans Wasser zu müssen, wenn man ein neues Gewässer erreicht und dann: Erkunden, Analysieren, Hoffnung ins Unermessliche steigern und am besten direkt mit allem, was die Tackleboxen hergeben, einmal die komplette Palette durchs Wasser zu ziehen. Natürlich ging es mir kein Stück anders. Kaum angekommen und ausgeladen, erstmal zu Steg und schauen, wie das Boot aussieht, wo der Motor ist, wie das Wasser aussieht, die Dropshotrute mitgenommen (hat Vorteile wenn man die Montage vor der Fahrt schon zusammenbastelt). Ist ja schließlich ein Steg mit Booten, also mal nach gucken ob da nicht Gestreifte herumlungern. Erster Eindruck : „Man hier angelt ja jeder“ eine Pose neben der anderen dümpelte im braunen undurchsichtigen Wasser, gefolgt von dem Gedanken „Was eine Suppe…“ Kurz nachgefragt „ Und wie läufts?“ wurde mit „Nix !“ beantwortet. Nun gut, am besten selber ausprobieren! Und siehe da: Ich hatte an den Stegen binnen fünf Minuten zwei Nachläufer und einen Minibarsch, der mir am DS-System vom Haken gefallen ist. Geht doch! Da es, wie gesagt, kein reiner Angelurlaub werden sollte, wurde am Ankunftstag nur noch ein wenig mit dem Boot der See besichtigt und gen Abend noch zwei Schniepel per Dropshot an den Stegen an die Luft geholt. Am nächsten Tag sollte dann angegriffen werden. Dank der Vorabinformationen von Kelle konnte man sich ungefähr ein Bild von möglichen Stellen ausmalen. Also ging es am nächsten Vormittag raus aufs Wasser. Das Boot wurde mit allem an Tackle beladen, was ich mitgenommen hatte. Wie sich herausstellte, hat der See diverse abzweigende Kanäle, ist durchschnittlich zwei Meter tief und zu Großteilen sehr strukturiert. Einziges Manko war der stetig auffrischende Wind und die Tatsache, dass der erste Eindruck richtig war. Nämlich ein sehr hoher Angeldruck. So waren an diesem herrlichen Sonntag fünf bis sechs Boote unterwegs und von den anliegenden Häusern und Angelstellen ragten Ruten ins Wasser.
Dritter Wurf. Zack. Der Nächste. In der Hoffnung endlich mal einen Schwarm gefunden zu haben (und mit einem unverschämten Grinsen im Gesicht), ging es weiter – Wurf - kurz angetwitcht . Dann knallte es in der Rute. Daumen auf die Spule. Anschlag??? Die Pulse bog durch und irgendwas rauschte mit Köder und Schnur vom Boot weg. Der Steuermann griff zur Kamera und ich gab mit dem Daumen Schnur nach, um Druck von der Rute zu nehmen. Das wilde Rätselraten, was den Squadminnow gepackt hat, ging los. Kopfstöße wie ein Zander, Fluchten wir ein Hecht, allerdings kam mein Gegenüber nicht an die Oberfläche und hatte in vielleicht einem Meter Tiefe gebissen. Erste Schuppen waren zu sehen. Ein Döbel mit solchen Fluchten? Niemals! Rapfen! Ein 76er auf der 30g Pulse – was ein Spaß...
Was soll ich sagen, mir war nicht bewusst das es dort Rapfen geben würde und wie ich am Abend am Telefon feststellte, wusste Kelle auch nichts von Rapfen in den Gewässern. Tag gerettet, Spaß gehabt. Für Montag um 7:00 war ich mit Kelle verabredet, also ging es nach Hause den Tag ausklingen lassen. 5:30 klingelte der Wecker, im Urlaub, na besten Dank, aber was tut man nicht alles für die goldenen Stunden am Wasser. Soweit war alles vorbereitet, also wurde schnell der Rucksack geschnappt, Kaffeekanne und Ruten aufs Boot geschleppt.Als letztes kam die Batterie an die Reihe, wobei ich ausrutschte und mein rechtest Bein komplett versenkte. Der Tag begann also blendend. Außer dem Gequassel von zwei tackleverrückten Anglern, und das gelegentliche Platschen unserer Köder war nichts zu hören. Wir tauschten alles erdenkliche an Informationen aus, über das Gewässer, Lieblingsköder, wo und wann man so fischt und weiß der Herrgott was noch alles. So verging die Zeit wie im Fluge, allerdings auch ohne Fische am Band. Der Nebel verzog sich so langsam und der Wind kehrte zurück.Thilo zeigte mir Stelle um Stelle, die er früher schon erfolgreich beangelte, allerdings zeigten sich viel gelobte Zander und Hechte nicht. Diese hatten offenbar überhaupt keine Lust zu beißen. Und so fing es wieder mit dem „Hier muss doch was gehen“ „Ich versteh das nicht“ „Ich probiere jetzt mal was Anderes aus“ an. Aber im Laufe des frühen Morgens waren zwei Barsch-Nachläufer auf einem Hellgie alles was der See uns zeigte. Kelle klopfe Stück um Stück den Boden mit Gummi ab und ich versuche mal wieder mein Glück im Mittelwasser, als es dann doch endlich bei ihm ruckte und sich seine leichte Skelli bog. Fisch, na endlich. Ein kleiner Hecht hatte direkt an einer Kante gebissen und wie sich an den Parasiten beim aushaken zeigte, lag dieser wohl schon länger am Boden herum.
Da mein „Guide“ wegen der Arbeit gegen Nachmittag schon fahren musste, machten wir einen letzten Versuch in einer windgeschützten Gegend um danach in den Hafen zu fahren. Ich wechselte auch endlich auf 7g-Köpfe, ließ den Shaker allerdings drauf, Arkansas Shiner wird’s schon richten, die anderen Hechte hatte auf schwarz/weiß gebissen. Etliche Würfe später dann endlich meine Erlösung des Tages. Wir ließen die Köder in kleinen Sprüngen wieder und wieder über eine Kante ins Tiefere hüpfen, als es bei mir verdächtig klopfte, der Anhieb saß und ein für den ganzen Tag entschuldigender Drill begann. Die Baitjigger war krumm, die Fluchten ausladend und kurze Zeit später landete ich mit einem breiten Grinsen einen richtig schönen 73er Hecht. Auch bei diesem zeigte sich, dass er wohl schon längere Zeit träge am Boden lag.
In den nächsten Tagen versuchte ich fast ausschließlich Zander zu angeln, blieb also bei Gummifischen und Grund klopfen, da sich die Wetterverhältnisse nicht änderten, der Wind unablässig war. Aber die Zander bissen wenigstens.
Wenn auch bis zu diesem Zeitpunkt keine Riesen aus dem Wasser kamen, so zeigten die 7 Gramm-Köpfe und der Shaker ihre Wirkung. Die Bisse der kleinen Zander kamen hart und waren mehr als eindeutig, allerdings verlor ich einen schönen Großen aus genau diesem Grund, da ich den Biss gar nicht mitbekommen hatte und ihn für einen Hänger hielt. So pumpte ich den vermeintlichen Holzklotz nach oben und konnte nur noch verdutzt zuschauen wie mit einem Schwall die Schwanzflosse durch Wasser peitsche, Schnur von der Rolle gerissen wurde und mir der Fisch unter dem Boot ausstieg. Sehr ärgerlich aber lehrreich.
Unsere Bekannten fuhren einen Tag eher nach Hause und ich überredete meine Frau, dass wir zusammen am Freitag einen Angeltag einlegten. In der Früh ging es raus an die vermeintlich guten Stellen, zunächst erfolglos, aber man lernt ja aus den Erfahrungen der vorangegangenen Tage und so fuhren wir erneut aus dem Wind heraus. Mit Erfolg wie sich zeigen sollte. Ich warf eine Vertiefung ab und ein extrem leichtes Klopfen zeigte zunächst einen vermeintlichen Fehlbiss an, eine Kurbelumdrehung später wieder ein verräterisches, kaum zu spürendes Klopfen und ich schlug auf Verdacht an. Hänger! ... der sich nach links bewegte. Der Fisch verhielt sich absolut ruhig, genauso wie der verlorene große Zander vor ein paar Tagen. Also zog ich ihn langsam nach oben. Und wieder fing der Kampf erst an der Oberfläche an, allerdings war die Bremse diesmal besser eingestellt und ich erwartete die Flucht. Das Ergebnis war ein netter 73er Z-Fisch.
Wieder auf den Shaker, wieder direkt einer Kante und entgegen der kleine Zander begann der Drill erst bei erreichen der Wasseroberfläche. Gegen Abend wollten wir es nochmal versuchen, vielleicht könnte man das Ergebnis ja noch steigern. Es sollte nicht lange werden, lediglich nur den Sonnenuntergang „abfischen“. Also der direkte Versuch im Windgeschützen, an der Stelle wo ich den Rapfen gefangen hatte. Was soll ich sagen, der Urlaub endete wie er angefangen hatte, ein knallharter Biss und beeindruckende Fluchten, so zeigte sich der letzte Fisch des Urlaubs, ein richtig schöner 74er Rapfen. Der Gute hatte den Shaker vollkommen eingesaugt. Für ein Gewässer, in dem es die nicht geben soll, ist das doch schon ein nettes Ergebnis. So bleibt zu sagen, alles in Allem ein gelungener Urlaub an einem schönen, wenn auch schwierigen Gewässer. Die Gegend ist in jedem Fall zu empfehlen, vor allem wenn man mit der Familie Urlaub machen möchte. In diesem Sinne... Tight lines.
Geschrieben von Creeper550 Donnerstag, 10 Dezember 2009 (09:07:24)
Re: Nachruf an den Sommer: Timmeler Meer im Spätsommer
Toller Bericht und ich habe auch zu danken...Hat echt Spaß gemacht der Tag mit dir. Echt toll, dass es BA gibt und ich hoffe wir können das nochmal wiederholen...von Wakkaputschi am Donnerstag, 10 Dezember 2009 (15:18:40) (Benutzerinfo | PN senden) Vielleicht fängst dann ja mal mehr als ich Allzeit Petri und wir bleiben in Kontakt LG Kelle
Re: Nachruf an den Sommer: Timmeler Meer im Spätsommer
Sehr schöner Bericht von erimbo am Donnerstag, 10 Dezember 2009 (15:38:59) (Benutzerinfo | PN senden) Aber das Ergebnis ist für das Timmeler wirklich nicht normal. Sicherlich habt Ihr beim nächsten Mal mehr Glück. erimbo
Re: Nachruf an den Sommer: Timmeler Meer im Spätsommer
Schöner Bericht, angenehm zu lesen.Petri zu den schwer erkämpften Fischen!von mabu80 am Donnerstag, 10 Dezember 2009 (17:26:43) (Benutzerinfo | PN senden) Viva la Barsch-Alarm Grüße Marco
Re: Nachruf an den Sommer: Timmeler Meer im Spätsommer
Schöner Bericht mit tollen Fotos.von Sixpack77 am Montag, 14 Dezember 2009 (11:04:40) (Benutzerinfo | PN senden) Apropo: Was ist denn mit der Rute los, beim Werfen das Spitzenteil abgegangen? Das Gefühl, wenn man das erste Mal am Wasser ist kenne ich: Man will direkt anfangen. Servus, 6pck
Re: Nachruf an den Sommer: Timmeler Meer im Spätsommer
Schöner Bericht mit tollen Fotos.von Sixpack77 am Montag, 14 Dezember 2009 (11:04:40) (Benutzerinfo | PN senden) Apropo: Was ist denn mit der Rute los, beim Werfen das Spitzenteil abgegangen? Das Gefühl, wenn man das erste Mal am Wasser ist kenne ich: Man will direkt anfangen. Servus, 6pck
Re: Nachruf an den Sommer: Timmeler Meer im Spätsommer
Hey Creeper, petri zu den schönen wenn auch schwer erarbeiteten Fischen! Schön geschrieben, hat echt spaß gemacht Deinen Bericht zu lesen.von stint10 am Donnerstag, 10 Dezember 2009 (10:39:07) (Benutzerinfo | PN senden) Gruß Nico
Re: Nachruf an den Sommer: Timmeler Meer im Spätsommer
Schön geschrieben, macht lust auf´s frühjar. von Radar am Donnerstag, 10 Dezember 2009 (12:39:37) (Benutzerinfo | PN senden)
Re: Nachruf an den Sommer: Timmeler Meer im Spätsommer
am timmler meer wohn ich von malte am Dienstag, 03 August 2010 (22:36:12) (Benutzerinfo | PN senden) hätte nie gedacht das da rapfen drin sind da gibt hoffnung toller berricht |
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